Wahrnehmung von MotorradgerÀuschen

  • Mich beschĂ€ftigt die Wahrnehmung von MotorradgerĂ€uschen.

    MotorradgerÀusche empfinde ich nicht nur akustisch als extrem belastend. Mein Eindruck ist sogar, dass mich die GerÀusche bei geschlossenen LÀrmschutzfenstern annÀhernd genauso extrem durch die körperliche Wahrnehmung im Rumpf/ Lungenbereich belasten.


    Beschreibung

    Es fĂŒhlt sich fĂŒr mich so an als wĂŒrden viele 20 cm große, abgerundete Steine auf meinen Brustkorb prasseln oder darin wie in einer Waschmaschine im Schleudergang aneinander entlangdrehen. - Weniger die GerĂ€usche, mehr dieses GefĂŒhl, reißt mich sogar aus dem Schlaf. Wenn ich nicht wĂŒsste, dass es wieder einmal "nur" diese GerĂ€usche eines Motorrads sind, wĂŒrde ich sogar die 112 wĂ€hlen, weil es auf mich in solchen FĂ€llen akut sehr lebensbedrohlich wirkt.


    Ich weiß, dass es Menschen gibt, die diese GerĂ€usche mögen und so oft wie möglich erleben wollen. - Mir fehlt der Abgleich, um fĂŒr mich selbst einzuordnen oder abzugrenzen, ob das, wie ich das wahrnehme/ erlebe, (autistisch) "normal" ist oder nicht, ob dies mit SynĂ€sthesie zusammenhĂ€ngt plus Angststörung, Angst oder Panikattacke (die vielleicht nicht als solche erkannt wĂŒrde, dennoch bestĂŒnde). Oder sonstige Möglichkeiten, an die ich noch nicht denke.

    Schon seit meiner Kinderheit wundert es mich, dass ich unterwegs an Straßen die einzige Person zu sein scheine, die unter diesen GerĂ€uschen leidet (zum Beispiel die einzige Person zu sein, die sich die Ohren zuhĂ€lt, weil die GerĂ€usche akustisch zu schmerzhaft sind). Dass ich mir die Ohren schon als Kind wĂ€hrend der GerĂ€usche zuhielt, wurde immer von irgendwelchen Personen abfĂ€llig kommentiert. Daher dachte ich irgendwann, die meisten Menschen spielen etwas wie: Wer sich nicht die Ohren zuhĂ€lt, hat gewonnen/ ist mutig. Oder Schmerzen ertragen, ohne sich das anmerken zu lassen.

    Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass es immer mehr MotorrĂ€der gibt mit extremeren GerĂ€uschen. Es gibt (meiner Wahrnehmung nach) immer noch die, welche bereits furchtbar waren, jedoch zunehmend mehr, die quasi doppelt so schlimm sind. - Gleich schlimm oder nur noch minimal schlimmer (in meiner Wahrnehmung) ist ein Überschallknall. Eine anschließende Frage wĂ€re, ob es so etwas oder einen Begriff fĂŒr so etwas wie Windchill in Bezug auf GerĂ€usche gibt (ohne dass es Hyperakusis wĂ€re)?

    Zwischenzeitlich kam fĂŒr begrenzte Zeit eine Angststörung Ă€hnliche GerĂ€usche betreffend auf (MotorsĂ€gen, LaubblĂ€ser, Helikopter, etc.).

  • Ich kann das gut nachvollziehen. MotorrĂ€der sind die Hölle.
    Es gibt auch so laute Autos. MotorsĂ€gen, LaubblĂ€ser etc sind alles FoltergerĂ€te fĂŒr mich.

    Das mit dem FĂŒhlen könnte vom Infraschall kommen, aber auch vom normalen Schall. Musik hört man auch nicht nur sondern fĂŒhlt sie. So können zb auch Gehörlose Musik wahrnehmen und dazu tanzen.

    Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung Ă€ndern wĂŒrde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe. Dennoch kann auch ich Tippfehler ĂŒbersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.

  • Mich stört an MitorrĂ€dern und Autos, die plötzlich beschleunigt werden, das Aufheulen, die Plötzlichkeit der Dezibelpeitsche.

    Wenn MitorrÀder rhythmisch vor sich hin knattern, nehme ich das wahr, aber es stört mich nicht weiter. Ich kann MaschinengerÀusche im Vergleich zu anderen Autiszen gut ausblenden.

  • Die richtig schweren Maschinen ala Harley-Davidson kann ich auch mit dem Bauch hören. Jede einzelne ZĂŒndung kommt als Druckwelle bei mir an. Wenn dann noch 10 oder 20 davon als Gruppe unterwegs sind, bleibt mir fast die Luft weg. Zum GlĂŒck blubbern die meist sehr gemĂ€chlich davon.

    Die Sportmaschinen hingegen werden dort, wo ich mein WochenendgrundstĂŒck habe, zur Qual. Wegen einer Kurve mĂŒssen die immer stark abbremsen und danach wird wieder mit Vollgas beschleunigt. Die GĂ€nge werden alle bis zum Maximum ausgereizt, es kreischt infernatlisch durchs ganze Tal. Wahrscheinlich fahren die am Ende der Geraden nicht nur 100, sondern eher 150-180. Dann kommt die nĂ€chste Kurve und das Spiel beginnt wieder von vorn.

    Wenn es nach mir ginge, gĂ€be es eine LĂ€rmobergrenze ĂŒber alle BetriebszustĂ€nde. Also auch bei Vollast mit Vollgas bei maximaler Drehzahl darf nicht mehr als z.B. 100dB rauskommen. Und diesen Wert wĂŒrde ich fĂŒr Neuzulassungen jedes Jahr um 1dB senken. Vorhandene MotorrĂ€der haben 5 Jahre Übergangsfrist. Entweder der Hersteller bietet dann eine NachrĂŒstung an oder die werden so gedrosselt, dass sie leise bleiben.

  • Das mit dem körperlichen sehr unangenehmen FĂŒhlen von GerĂ€usche und auch das Ohren zuhalten, wenn mir diese zu laut, zu plötzlich, zu nah an mich dran sind und zu lange anhalten, nicht nur bei denen von MotorrĂ€dern, kenne ich auch. Vor allem solche tiefe vibrationserzeugende und sehr laute GerĂ€usche, gehen mir schnell durch „Mark und Bein“.

    Bei uns in der Gegend, fliegen periodisch mehrmals am Tag, oft kurz hintereinander, mehrere DĂŒsenjets ĂŒber unseren Köpfen hinweg (das hat leider zugenommen insgesamt).
    Ich kann wĂ€hrenddessen kaum noch irgendeinen klaren Gedanken fassen. Ich versuche mich dann sehr darauf zu konzentrieren, das irgendwie auszuhalten und nicht „auszurasten“ (sowie ich z.B. auch beim Zahnarzt oder in sonstigen Situationen, eventuell aufkommende „Schmerzen“ aushalte, mit dem Wissen, dass diese nicht fĂŒr immer anhalten werden).

    Wobei es bei mir nicht so ist, dass ich, bei dem was ich körperlich empfinde, an eine akute, Àrztlich zu behandelnde, Notsituation denke.

  • Vielen Dank fĂŒr eure RĂŒckmeldungen und Schilderungen. Das hilft mir nach Jahrzehnten sehr, unter der Fremdzuschreibung bezĂŒglich derartiger GerĂ€usche und deren Wahrnehmung "zu sensibel zu sein", einen sinnbildlichen Schlussstrich zu ziehen.

  • Yumenaye , ich ĂŒberlege gerade, es gibt doch diesen sogenannten Katzenschreck. Der macht bestimmte GerĂ€usche und soll damit die Katzen fernhalten.
    Das GerÀusch hört auch nicht jeder.
    Vielleicht hast du bei den MotorgerÀuschen eine besondere Frequenz die du verstÀrkt hörst.

  • Das hilft mir nach Jahrzehnten sehr, unter der Fremdzuschreibung bezĂŒglich derartiger GerĂ€usche und deren Wahrnehmung "zu sensibel zu sein", einen sinnbildlichen Schlussstrich zu ziehen.

    der Satz verfolgt mich auch schon seit frĂŒhester Kindheit. Gefolgt von ich solle doch mal zum Ohrenarzt
.Unbedingt abhaken!

    GlĂŒcklich die, die das ausblenden können. Ich kann’s auch nicht, mein Nachbar hat einen speziellen Auspuff und jeden Morgen gegen 6:00Uhr röhrt und heult die Maschine auf. Das geht mir auch nach vielen Jahren immer noch durch Mark und Bein. Ich schrecke hoch und ziehe mir reflexartig die Decke ĂŒber den Kopf, auch bei geschlossenem Fenster.

    Interessant und auch wiedersprĂŒchlich finde ich es, dass wenn ich selbst in/auf so einer Krachmaschine sitze, es besser auszuhalten ist. Ich stelle die Musik dann aber auch extra laut um alles andere zu ĂŒbertönen.

    Und ich habe den Eindruck, dass es einen Unterschied macht ob ICH das GerĂ€usch selbst auslöse, es also quasi unter Kontrolle habe oder es fremdbestimmt von außen auf mich einwirkt.
    Geht das noch jemandem so ? Was denkt ihr darĂŒber?

    Eins meiner Elternteile hat sich laut ErzĂ€hlungen deren Geschwister in der Kindheit, beim Einfahren der ZĂŒge, immer schreiend die Ohren zugehalten. Es soll teilweise so schlimm gewesen sein,dass es nur mit auf dem Boden fixieren wieder besser wurde.
    So schlimm war es in meiner Kindheit nach meiner Erinnerung nicht, jedoch gab es viele Situationen in denen meine Eltern mit mir gehen mussten, weil ich es nicht ertragen habe.

  • Und ich habe den Eindruck, dass es einen Unterschied macht ob ICH das GerĂ€usch selbst auslöse, es also quasi unter Kontrolle habe oder es fremdbestimmt von außen auf mich einwirkt.
    Geht das noch jemandem so ? Was denkt ihr darĂŒber?

    Auf jeden Fall! Wenn ich selber staubsauge, hĂ€cksle oder sĂ€ge, dann gehört es eben dazu. Außerdem kommt es dann nicht ĂŒberraschend.

  • Und ich habe den Eindruck, dass es einen Unterschied macht ob ICH das GerĂ€usch selbst auslöse, es also quasi unter Kontrolle habe oder es fremdbestimmt von außen auf mich einwirkt.
    Geht das noch jemandem so ? Was denkt ihr darĂŒber?

    Bei mir macht das auch einen ziemlich großen Unterschied. Da das GerĂ€usch dann, wie bereits beschrieben, nicht ĂŒberraschend kommt und ich auch diejenige bin, die „bestimmt“ wie lange es anhĂ€lt. Ich kann jederzeit abbrechen oder eine Pause einlegen, wenn’s mir gerade zu viel ist.

    Am selbst Handwerken, mit Bohrmaschine & Co. habe ich durchaus Freude; wenn’s die Nachbarschaft macht, dann ist es mir oft ein Graus. Ich nehme dabei, auch beim selbst fahren, die Vibrationen dann allerdings auch anders wahr
 liegt möglicherweise auch mit daran, dass es mir dann weniger unangenehm ist.

    Ansonsten geht es mir mittlerweile bei vielen Reizen so, dass ich diese oft um einiges besser aushalten kann, wenn sie fĂŒr mich nicht all zu ĂŒberraschend kommen und aber auch, wenn ich in etwa einschĂ€tzen kann, wie lange diese andauern werden (sofern denn voraussichtlich nicht all zu lange
 wie bei zahnĂ€rztlichen Behandlungen bspw.).

  • Und ich habe den Eindruck, dass es einen Unterschied macht ob ICH das GerĂ€usch selbst auslöse, es also quasi unter Kontrolle habe oder es fremdbestimmt von außen auf mich einwirkt.
    Geht das noch jemandem so ? Was denkt ihr darĂŒber?

    FĂŒr mich macht es keinen Unterschied. Auch eine Gewöhnung an GerĂ€usche - und seien es nur tickende Uhren, findet nicht statt.

    Staubsauger, MotorsĂ€gen und dergleichen kann ich nur sehr kurz nutzen, so selten wie möglich und mit doppelten Gehörschutz. Die GerĂ€usche, Vibrationen, vielleicht auch Infraschall lösen tatsĂ€chlich Stress bei mir aus mit Herzrasen und Schwitzen. Die andauernde ReizĂŒberflutung mit gleichzeitiger Aufmerksamkeit/ Konzentration fĂŒhrt rasch zur MĂŒdigkeit.

    Das Einzige, das entfĂ€llt, ist ein mögliches Erschrecken, wenn ich selbst Mixer, Bohrmaschine etc. bediene und nicht wie frĂŒher irgendeine Person im Haushalt, die ohne Absprache derartige GerĂ€te plötzlich nutzt. - Die Auswrikungen der GerĂ€usche folgen trotzdem.

    FĂŒr fast 30 Jahre lebte ich an Bahngleisen und in der NĂ€he einer Einflugschneise zu einem Flughafen. Eine Gewöhnung trat definitiv nicht ein, so wie andere Personen angaben, dass dies der Fall sei nach kurzer Zeit und sie wĂŒrden die GerĂ€usche der ZĂŒge und Flugzeuge nur noch hören, wenn sie bewusst darauf achten.

    Yumenaye , ich ĂŒberlege gerade, es gibt doch diesen sogenannten Katzenschreck. Der macht bestimmte GerĂ€usche und soll damit die Katzen fernhalten.
    Das GerÀusch hört auch nicht jeder.
    Vielleicht hast du bei den MotorgerÀuschen eine besondere Frequenz die du verstÀrkt hörst.

    Hohe GerĂ€usche sind fĂŒr mich eher wie scharfe Dreiecke an der HalswirbelsĂ€ule und anders unangenehm/ widerlich. - Marderschreck und Hundepfeifen höre ich sehr deutlich. - Das Ergebnis der Hörtestung (nach Hörsturz und fortbestehendem Tinnitus) ist immer noch exzellent, wie bei einem Kind. Derzeit probiere ich ANC-Kopfhörer aus.

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