Autismus: Krankheit?

  • Ich gebe auch niemanden für meinen Autismus die Schuld. Ich lasse die komplette Schuld nur nicht bei mir, sondern teile diese auf.

    Schuld? Wieso Schuld? Ich seh da bei mir jedenfalls keine Schuld. Es liegt halt einfach am Autismus. Da können weder die Gesellschaft/meine Umwelt noch ich was dafür. Ich kann halt nur versuchen, mein Leben und meine kleine Welt so zu gestalten, dass es für mich am angenehmsten ist. Und aktuell ist mir das eigentlich auch ganz gut gelungen.

    Touch not the cat bot the glove

  • ich sehe für meine Beeinträchtigungen weder bei mir noch bei der Gesellschaft Schuld. Sie sind halt da, und es liegt an mir, sie entweder selbst zu minimieren oder meiner Umwelt mitzuteilen, was sie dazu beitragen kann.

    Ich sehe bei dem Vorhandensein auch nicht die Schuld bei der Gesellschaft. Nur halt beim letzten Teil: Den Beitrag es mir und anderen nach entsprechenden Äußerungen einfacher zu gestalten oder mir Möglichkeiten zu eröffnen, diese selbst einfacher zu gestalten können. Für die Beeinträchtigungen kann niemand was.

    Es liegt halt einfach am Autismus.

    Ich weiß. Was anderes sagte ich auch nicht.

    Da können weder die Gesellschaft/meine Umwelt noch ich was dafür.

    Ich weiß.

    Ich kann halt nur versuchen, mein Leben und meine kleine Welt so zu gestalten, dass es für mich am angenehmsten ist.

    Genau. Aber wenn es nicht in deiner Macht liegt, musst du es äußern und dann liegt es bei den anderen. Wird nichts dagegen getan, ist es deren Verschulden, dass es so unangenehm bleibt.

  • Genau. Aber wenn es nicht in deiner Macht liegt, musst du es äußern und dann liegt es bei den anderen. Wird nichts dagegen getan, ist es deren Verschulden, dass es so unangenehm bleibt.

    Nun ja, das ist zwar leicht gesagt, aber die Gesellschaft kann doch auch nicht immer was tun (weil dann z.B. andere Menschen leiden würden oder es aus anderen Gründen nicht geht). Der Gesellschaft dann die Schuld zu geben, finde ich schon ziemlich vermessen.

  • Nun ja, das ist zwar leicht gesagt, aber die Gesellschaft kann doch auch nicht immer was tun (weil dann z.B. andere Menschen leiden würden oder es aus anderen Gründen nicht geht). Der Gesellschaft dann die Schuld zu geben, finde ich schon ziemlich vermessen.

    Mir fällt ehrlich nichts ein, wo man garnichts tun könnte.

    Hmm, vielleicht ist Schuld das falsche Wort. Aber das war die höflichere Variante, die mir eingefallen ist.

    Ist ja nicht so als wäre das kein altbekanntes Problem, falsche Wortwahl. Das "vermessen" zu nennen halte ich dann wiederum zu krass. Sinnvoller wäre ein Gegenvorschlag wie es besser gehen könnte.

  • Sinnvoller wäre ein Gegenvorschlag wie es besser gehen könnte.

    Vielleicht, das jeder versuchen die Andere zu verstehen. Fragen stellen ist meiner Meinung nach besser als "Standpunkte" zu verteidigen. Standpunkte halte ich für wichtig. Dogmatismus aber für Falsch :)


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  • Mir fällt ehrlich nichts ein, wo man garnichts tun könnte.

    Hmm, vielleicht ist Schuld das falsche Wort. Aber das war die höflichere Variante, die mir eingefallen ist.

    Ist ja nicht so als wäre das kein altbekanntes Problem, falsche Wortwahl. Das "vermessen" zu nennen halte ich dann wiederum zu krass. Sinnvoller wäre ein Gegenvorschlag wie es besser gehen könnte.

    Also, mir fällt da genug ein, wo die Gesellschaft nichts tun kann. Allein schon in Hinblick auf mein empfindliches Gehör. Würde die Gesellschaft alles so leise machen, dass es für mich angenehm ist, würde wohl weit über die Hälfte der Menschheit keine Durchsagen oder Musik mehr verstehen. Oder wenn ich da mal an den ÖPNV denke. Es müssten lauter halbleere Busse und Züge mit offenen Fenstern fahren, damit der ÖPNV für mich nutzbar wäre. Aber gut, du hast deine Ansicht und ich meine.

  • Dogmatismus aber für Falsch

    Sehe ich auch so.

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    Kannte ich noch nicht, glaube ich. Danke.

    Also, mir fällt da genug ein, wo die Gesellschaft nichts tun kann. Allein schon in Hinblick auf mein empfindliches Gehör. Würde die Gesellschaft alles so leise machen, dass es für mich angenehm ist, würde wohl weit über die Hälfte der Menschheit keine Durchsagen oder Musik mehr verstehen. Oder wenn ich da mal an den ÖPNV denke. Es müssten lauter halbleere Busse und Züge mit offenen Fenstern fahren, damit der ÖPNV für mich nutzbar wäre. Aber gut, du hast deine Ansicht und ich meine.

    Ah, okay, ja, vielleicht.
    Ich glaube, es könnte besser werden für dich werden, wenn der ÖPNV wirklich massiv ausgebaut wird, wir es halt nötig ist, um andere Vorhaben zu realisieren (z.B. autofreie Innenstädte, oder stark reduziert). Das würde dir eventuell auch zugute kommen und wäre eine indirekte Hilfe, die sich aus einem Vorhaben ergibt.

    Wegen dem Gehör: Stimmt auch. Da wäre das mit den Stillen Stunden vielleicht hilfreich. Du wärst zwar zeitlich abhängig aber immerhin wäre es eine Unterstützung.

    Ja, dass ist ja auch gut so. Jeder hat so seine Ansicht.

    Meine Standpunkte sind ja nicht unverrückbar, auch wenn es den Anschein hat. (Ich war früher genug das Gegenteil und versuche eine Mitte zu finden, was nicht so einfach ist, wenn man mit der Angst zu kämpfen hat, immer nachzugeben ode rnachgeben zu müssen).

  • Das Problem, das mich am meisten belastet hat (nicht während des ganzen Lebens, aber über die gesamte Lebenszeit aufsummiert), ist rein intern, da kann die Gesellschaft gar nichts dran ändern. Beziehungsanbahnung ist bei mir jahrzehntelang gescheitert, nicht weil die Gesellschaft rücksichtslos war, sondern weil ich es zuverlässig versaut habe - die Zeichen falsch verstanden, den richtigen Zeitpunkt nicht erkannt etc. Da ist Hilfe von außen nicht möglich, man muss einfach das Glück haben, auf jemanden zu treffen, der intuitiv erkennt, wie man mit dem so komisch reagierenden Vogel kommunizieren muss. Das Glück hatte ich und bin deshalb seit 20 Jahren verheiratet, aber vorher habe ich es (teils trotz beidseitigem Interesse) x-mal versaut. Ein Grund, weshalb ich dann über die späte AS-Diagnose nicht unglücklich war, weil aus gefühltem Versagen rückblickend angeborene Inkompetenz wurde, was sich entschieden besser anfühlt (ja, manchmal ist völlige Inkompetenz eine freundlichere Erklärung als "immer wieder etwas verbockt, was ich doch eigentlich können muss, weil ich die Fehler alle schon mal gemacht habe"). Und auch die fehlende Fähigkeit Netzwerke zu bilden und zu pflegen, die mir das Berufsleben erschwert hat, ist nicht von außen verschuldet oder verschärft - ich kann es halt nicht so gut wie andere, fertig.

  • Das Problem, das mich am meisten belastet hat (nicht während des ganzen Lebens, aber über die gesamte Lebenszeit aufsummiert), ist rein intern, da kann die Gesellschaft gar nichts dran ändern. Beziehungsanbahnung ist bei mir jahrzehntelang gescheitert, nicht weil die Gesellschaft rücksichtslos war, sondern weil ich es zuverlässig versaut habe - die Zeichen falsch verstanden, den richtigen Zeitpunkt nicht erkannt etc. Da ist Hilfe von außen nicht möglich, man muss einfach das Glück haben, auf jemanden zu treffen, der intuitiv erkennt, wie man mit dem so komisch reagierenden Vogel kommunizieren muss. Das Glück hatte ich und bin deshalb seit 20 Jahren verheiratet, aber vorher habe ich es (teils trotz beidseitigem Interesse) x-mal versaut. Ein Grund, weshalb ich dann über die späte AS-Diagnose nicht unglücklich war, weil aus gefühltem Versagen rückblickend angeborene Inkompetenz wurde, was sich entschieden besser anfühlt (ja, manchmal ist völlige Inkompetenz eine freundlichere Erklärung als "immer wieder etwas verbockt, was ich doch eigentlich können muss, weil ich die Fehler alle schon mal gemacht habe"). Und auch die fehlende Fähigkeit Netzwerke zu bilden und zu pflegen, die mir das Berufsleben erschwert hat, ist nicht von außen verschuldet oder verschärft - ich kann es halt nicht so gut wie andere, fertig.

    Stimmt, danke.

    Auch wenn man sagen könnte, dass die Sensibilisierung dafür fehlt und man dann sehr wohl - deutlich weniger als bei anderen genannten - als Teil der Gesellschaft etwas kann. Oder halt umgekehrt: Möglichkeiten zur Bildung geben. Bildung im Sinne, wie Autisten Signale erkennen können. Aber im Groben und Ganzen ist das auch für Nicht-Autisten nicht immer ganz einfach. Stichwort: Absolute Beginners.

  • Für mich ist Autismus keine Krankheit, da er nicht geheilt werden kann und dauerhaft besteht. Für mich ist Autismus eine Behinderung, da er mich im Alltag behindert und mir die Teilhabe am "normalen" Leben erschwert.

    Ja, so empfinde ich es auch.


    Ich habe aber kein Problem danit wenn jemand Krankheit sagt. Das ist eben Umgangssprache. Es gibt ja auch unheilbare Krankheiten.

    Solange niemand meint, es wäre nur eine "andere Art des Seins" ist es mir ziemlich egal. Aber ich finde, dieses "andere Art des Seins" negiert die Probleme, die Autismus mit sich bringt und verharmlost ihn auf unangebrachte Weise.


    Gibt ja Leute, die dann austicken. "Er hat Jehova gesagt!!!"

    Was hat Jehova damit zu tun?


    Wenn euch Autismus behindert: Wie ist dann eure Wahrnehmung?
    Denkt ihr "euer" Autismus ist das oder denkt ihr, dass es die Leute, Einrichtungen, Gebäude/Architektur etc. ist/sind? Oder was ganz anderes?

    Ich fühle mich durch meinen Autismus behindert. Die meisten meiner Probleme liegen am Autismus und dass ich dadurch anders funktioniere und wahrnehme als andere Menschen. Würde die Umwelt/Gesellschaft sich auf mich und meine Probleme einstellen, wäre sie für andere Menschen nicht mehr funktional. Also liegt das Problem eindeutig an meinem Autismus und nicht an der Umwelt/Gesellschaft.

    Mein Avatar wurde von der Userin Elbenfrau gezeichnet.

  • Solange niemand meint, es wäre nur eine "andere Art des Seins" ist es mir ziemlich egal. Aber ich finde, dieses "andere Art des Seins" negiert die Probleme, die Autismus mit sich bringt und verharmlost ihn auf unangebrachte Weise.

    Ja, genau. Das ärgert mich auch immer wieder.


    Was hat Jehova damit zu tun?

    Oh, entschuldige. Es kennt ja nicht jeder diesen Film.

    Bezieht sich auf diese Szene:

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    Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe. Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.

  • Ich fühle mich durch meinen Autismus behindert. Die meisten meiner Probleme liegen am Autismus und dass ich dadurch anders funktioniere und wahrnehme als andere Menschen. Würde die Umwelt/Gesellschaft sich auf mich und meine Probleme einstellen, wäre sie für andere Menschen nicht mehr funktional. Also liegt das Problem eindeutig an meinem Autismus und nicht an der Umwelt/Gesellschaft.

    Ja, verstehe ich. Danke.

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