Ich versuche auch noch einmal meine Frage etwas einzugrenzen. Geht es dir zB. darum herauszufinden, ob sich die Neurodiversität auf den Führungsstil oder allgemein auf die Art und Weise Arbeit zu verrichten ausgewirkt hat? Oder im spezielle Bedürfnisse im Arbeitsalltag wie Gestaltung des Büros, Arbeitszeiten etc? Beschränkst du dich auf bestimmte Branchen, da das ja auch extrem ausschlaggebend sein kann, denn manche Branchen sind deutlich neurodivergenz-freundlicher als andere.. und wie würde die Datenerhebung stattfinden, gibt es eine online-Plattform mit Fragebogen, bekommt man einen Fragebogen zugestellt oder ist es ein Interview?
Beiträge von danger
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Vielleicht noch eine andere Perspektive.. Ich habe leider einige schlechte Erfahrungen damit gemacht, anderen Leuten von der Diagnose zu erzählen und tue mich seitdem etwas schwer. Das Thema ist so unglaublich schwer zu fassen für die meisten Menschen und wie schon von anderen angesprochen, landet man schnell in der Ecke "geistig behindert" oder die Leute können sich gar nichts darunter vorstellen. Ich Versuche daher eher von der Bedürfnisebene an die Sache heranzugehen, also zu formulieren wobei ich Schwierigkeiten habe (indirekte Kommunikation, spontane Planänderungen, Lauttstärke, Menschenmengen und so weiter) und wie man mir dabei helfen kann. Ich habe das Gefühl, dass das einen individuelleren Bezug herstellt und man die Leute nicht mit der Menge en Symptomen konfrontiert, die die Diagnose Autismus bedeuten kann. Ich finde auch, dass genau herauszufinden, was diese Bedürfnisse sind, mit das schwierigste ist, gerade wenn man sehr viel maskiert (hat). Eventuell ist das "normale" Verhalten von Amelie bei ihren Großeltern ja auch durch ein hohes Maskieren bedingt, weil ihre Großeltern eben kritisch gegenüber der Diagnose stehen. Es ist leider ein schwieriger Weg, meine Mutter weiß auch von meiner Diagnose und auch wenn ich ihr meinen persönlichen Bezug dazu recht ausführlich erklärt habe, merke ich wie es sie überfordert und sie es weiterhin nicht wirklich versteht.
Letztendlich kann man die Reaktion und die eigene Meinung der Menschen nicht steuern (da helfen leider auch oft keine offiziellen Diagnosen). Ich hoffe Ihr findet einen Weg, der für euch funktioniert! Lasst euch Zeit, auch um selber einen Standpunkt zu entwickeln, und alles gute für euch!
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Was genau möchtest Du denn wissen, kannst du den Interessenbereich etwas eingrenzen? Finde es immer schwierig auf so allgemeine Anfragen zu antworten. Prinzipiell hab ich aber Erfahrungen in dem Bereich und wär auch bereit die zu teilen.
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Dalaruan tut mir leid, das weiß ich nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass das nur ein anderer Begriff für die gleiche Sache ist, aber das ist nur eine Vermutung.
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Bei mir war Reiten aus finanziellen Gründen leider nie drin. Aber ich hab Pferde und Reiten immer gemocht und als Teenager mal ne Woche auf nem Islandpferdehof verbracht. Seitdem bin ich ab und zu mal im Urlaub geritten. Ich mag den Umgang mit den Tieren und würde das gerne regelmäßig machen. In meinem Kopf ist das aber nach wie vor unerreichbar. Die sozialen und finanziellen Hürden sind zu groß.
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ASP bedeutet Assistenz in der Sozialpsychiatrie oder manchmal auch ambulante Sozialpsychiatrie. Das ist eine Form der Alltagsunterstützung die Menschen mit psychischen Krankheiten oder Problemen in der Alltagsbewältigung beantragen können. Wie das aussieht wird abhängig von der Bewilligung und den persönlichen Bedürfnissen gestaltet. Das kann ein wöchentliches Treffen sein, in dem man einen Wochenplan bespricht, ein Hausbesuch um zusammen die Post durchzugehen oder Begleitung zum Lebensmitteleinkauf.
Ich hatte da auch noch nie vorher was von gehört und plane es aber jetzt zu beantragen.
Meditie ich wollte dich nicht übergehen..hab erst nach meinem Post gesehen, dass du schon geantwortet hattest!
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Hey Will
Das Zergrübeln der Diagnostik ist auch mir gut bekannt. Nach meiner Verdachtsdiagnose habe ich das Thema erstmal nicht weiter verfolgt. Für mich ergab es keinen Mehrwert den Verdacht auf ASS überprüfen zu lassen, ich hatte auch nicht die Energie mich um eine Testung zu kümmern und nicht die Geduld ewig auf einen Platz zu warten. Ich hatte eine ADHS Diagnose, das war schon Herausforderung genug. Letztendlich hat mich eine Sozialarbeiterin auf das Thema GdB und ASP hingewiesen und mir Möglichkeiten für Hilfe im Alltag aufgezeigt, von denen ich noch nie gehört hatte und die mit einer offiziellen Diagnose einfacher zugänglich seien. Daher habe ich den Prozess dann doch auf mich genommen und ein gutes halbes Jahr damit verbracht jedes Detail meines Verhaltens hinsichtlich möglicher Symptome zu analysieren und jedes pro und contra gegeneinander aufzuwägen. Das war nicht schön und ich habe sehr gehofft, dass das mit der Diagnose (oder der Nicht-Diagnose) aufhört. So richtig hat es das leider nicht. Jetzt bin ich eben auch Autistin, die Probleme bleiben. Und ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung auf welche Art ich das Thema in meine Alltag integrieren soll. Mein Partner weiß Bescheid, aber sonst habe ich noch niemandem von dem Ergebnis erzählt. Ich habe irgendwie Angst nur noch über die Diagnose und die Symptome definiert zu werden. Alles was ich mal als meine Persönlichkeit erachtet habe, ist jetzt ein Symptom meiner Neurodiversität.
Abschließend möchte ich aber noch anfügen, dass das vielleicht recht negativ klingt, aber eben auch nur meine persönliche Erfahrung ist und in keiner Weise eine notwendige Konsequenz der Diagnose darstellen soll. Ich kenne sehr viele Autist*innen und ADHSler*innen, die ihre Diagnose als enorm erleichternd empfanden und denen die Zuordnung ihrer Schwierigkeiten enorm weiter helfen konnte.
Daher dir auf jeden Fall alles Gute auf deinem Weg!
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tinker Ich fürchte diese Frage kann ich dir leider nicht beantworten. Ich vermute das Konzept Sinn des Lebens ist mir einfach fremd. Ich habe keinen Bedarf danach, wahrscheinlich, weil ich einfach nicht begreife, was das sein soll. Natürlich gibt es Dinge, die ich mag und die ich genieße. Musik, die Auseinandersetzung mit Kunst, das Meer oder eben habe ich fast meine Nudeln verkrochen lassen, weil ich ewig in den Topf gestartet habe, weil die Bewegung der Nudeln so toll aussah. Ich würde aber nicht sagen, dass irgendetwas davon sinnstiftend ist. Es sind Momentaufnahmen, die ich genieße, wenn ich sie erlebe. Eventuell ist das aber auch einfach Definitionssache, irgendwer anders würde vielleicht sagen, hey, genau das ist doch sinnstiftend. Ich hänge mich da vielleicht zu sehr an wortklauberei auf.
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tinker kannst du eventuell etwas spezifizieren, wie du deine Frage an mich meinst? Ich kann dir bestimmt noch ganz viele Dinge nennen, die Menschen als Sinn des Lebens oder Lebensinhalt beschreiben würden, weiß aber gerade nicht, ob du einfach Beispiele sammeln möchtest oder mich nach meiner persönlichen Ansicht fragst. Danke!
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Ich glaube, dass die Suche nach dem Sinn des Lebens auch so ein gesellschaftliches Konstrukt ist. Und eben ein für die Allgemeinheit gültiger Sinn eben auch durch dieses Konstrukt definiert ist. Familie, Job, Geld, Sicherheit. Wenn man da aus dem Rahmen fällt (RW), dann wird das skeptisch beäugt und einem wieder einmal gezeigt, dass man nicht der Norm entspricht. Ich philosophieren auch gerne über das Thema, meine Ergebnisse sind dabei aber oft sehr rational und wirken auf viele Menschen düster oder irritierend. Ich bin aber eben nur nicht emotional und ich habe auch kein Interesse daran das Thema mit Konzepten von Hoffnung oder Erfüllung (was auch immer das heißen mag) zu verknüpfen. Den Aspekt mich selbst als Forschungsprojekt zu betrachten, kenne ich sehr gut und ich finde ihn auch sehr interessant. Leider verliere ich mich darüber oft in Gedankenspiralen, was sehr anstrengend werden kann.
In einem Standard-Aufnahmegspräch in der Tagesklinik würde ich kürzlich gefragt, ob ich im Leben einen Sinn sehe. Zum Glück hat die Krankenschwester gleich gesagt, dass sie diese Frage auch furchtbar findet und nicht weiß, warum die in diesem Bogen steht. Ansonsten hätte ich lügen müssen, indem ich "ja" sage, um weiteren Diskussionen oder Einschätzungen aus dem Weg zu gehen. Ich sehe keinen Sinn im Leben. Aber das heißt ja nicht, dass ich es nicht trotzdem interessant finde zu leben.
Ich komme damit zurecht. Vor allem weil es mir extrem schwer fällt so etwas wie Bedürfnisse zu formulieren. Das ist etwas so wie mit Wetter und Klima. Ich habe spontane zeitlich kurzfristige Bedürfnisse, aber auf das große Ganze gesehen, kann ich das doch gar nicht sagen. Dafür ändern sich die Gegebenheiten viel zu schnell und ich sehe keinen Sinn darin einem Ziel nachzujagen, dass eventuell irgendwann gar keine Relevanz mehr hat.
Ich glaube das zeigt auch wie individuell das Thema ist. Manchen Leuten gibt der Gedanke an eine "sinnvolle" Existenz Kraft und Energie, für manche ist diese Konzept nur unnötiger Ballast. Und ich finde es schade, dass einem dieser Ballast gesellschaftlich in gewisser Weise aufgezwängt wird.
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Einkaufen ist auch für mich auch eine absolute Herausforderung. Kann gar nicht genau sagen, warum, aber ich kann mich da einfach nicht aufhalten. Ich schaffe es auch nur, wenn ich sowieso unterwegs bin und dann dran vorbei gehe, aber auch nicht immer. Leider hab ich auch große Probleme mit Kochen und Essensplanung, deshalb funktioniert ein vorbereiteter Einkauf zu einer bestimmten Zeit auch nur bedingt. Meistens renne ich in den Läden, kaufe drei Dinge auf die ich gerade List habe und verschwinde wieder. Oft endet das in einem Tagelang leeren Kühlschrank und enormen Kosten für den Lieferservice (von der schlechten Ernährung mal ganz abgesehen). Hätte ich meinen Freund nicht, der mich ab und zu durchfüttert, würde ich mich wahrscheinlich nur von Instant ramen, Käsebroten und Gurken ernähren.
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Ich schneide seit ewigen Zeiten auch selbst meine Haare. Habe mich von Friseur*innen nie verstanden gefühlt, fühlte mich von Kommentaren oft angegriffen oder irritiert. Der Small Talk auch ganz schlimm. Dazu habe ich auch oft Angst davor Korrekturen zu machen oder auf bestimmte Sachen zu bestehen. Diese Vorstellung sich mit einem Friseurbesuch etwas Gutes zu tun, konnte ich nie nachvollziehen.
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Hey Jonah,
tut mir leid, dass du so mit den shutdowns zu kämpfen hast.
Ich erlebe Meltdowns/Shutdowns seit ich denken kann. In unterschiedlichen Ausprägungen (als Kind häufig mit Heulkrämpfen und Ausrastern, als Erwachsene eher ähnlich einer Panikattacke) und in unterschiedlicher Häufigkeit, aber sie waren immer da. Den Begriff dafür kenne ich nicht gar nicht so lange, aber durch ihn hat so einiges Sinn ergeben.
Ich bin auch ADHSlerin, würde also sagen, dass das Thema nicht nur auf ASS beschränkt sein muss. Allerdings glaube ich, dass gar nicht so wichtig ist, woher es kommt, sondern eben zu akzeptieren, dass du darunter leidest und dementsprechend besondere Bedürfnisse im Umgang damit hast.
Das ist natürlich leichter gesagt als getan, aber manchmal helfen da schon kleine Schritte. Ich habe gerade eine ähnliche Phase wie du beschreibst, alle Nervenenden liegen quasi offen und ich spüre, dass kleinste Kleinigkeiten gerade zum Meltdown führen können. In meinem Freundeskreis und vor meinem Partner habe ich das kommuniziert. Dass ich mich abseits halte, dass ich nicht zu viel kommunizieren möchte, dass ich gerade viel Zeit alleine brauche. Ich habe auch Regeln kommuniziert, wie mit mir umzugehen ist, wenn es zum Meltdown kommt. Nicht anfassen, nicht ansprechen, nicht drum rum stehen und bemitleiden. Mir sind diese Situationen extrem unangenehm und ich hasse es Mitleid oder Sorgen zu erzeugen. Daher sollen mich alle in Ruhe lassen, bis ich wieder klar komme und kommunizieren kann 😅 Vielleicht weißt du ja, was dir in und nach der Situation gut tut und kannst das weitergeben.
Hinsichtlich der Empfindlichkeit beim Tastsinn finde ich das auch extrem schwer. Ich kann glipschige Sachen nicht ab, da helfen auch keine Handschuhe, weil die Vorstellung schon so intensiv ist. Ich lasse da gewisse Sachen andere machen oder mache sie einfach erst wenn ich wirklich die Energie dafür hab (Duschabfluss sauber machen..Endgegner). Manchmal hilft es allen anderen Tastsinnen es möglichst einfach zu machen auch wenn das bedeutet ne Woche nur in Jogginghose und Schlabberpulli rumzurennen (oder Anzug tragen, wenn das deine Wohlfühlklamotte ist).
In Bezug auf deine Erfahrung beim Zahnarzt.. ich find das selber so hart schwer, aber ich glaub das beste ist, das vorher kurz anzusprechen. Das kann wahrscheinlich nicht verhindern, dass du einen unliebsamen Tropfen abbekommt, aber dann musst du dich wenigstens nicht zusammenreißen und das Praxispersonal kann einordnen, wenn du zuckst oder Ekelgeräusche machst.
Meine Erfahrung mit Meltdowns ist insgesamt, dass sie immer schlimmer und öfter passieren, je mehr man sich verstellt, anpasst oder nicht auf seine Bedürfnisse hört. Ist im Alltag enorm schwer umzusetzen, das ist mir klar, ich will dir nur sagen, dass das ein ernstzunehmender Problem ist, dass du nicht runterspielen solltest (Leute kommentieren das ja im blödsten Fall mit Kommentaren wie "reiß dich zusammen", "du bist so dramatisch" oder "du bist überempfindlich").
Ich hoffe du findest eine Möglichkeit deine Batterien etwas aufzuladen!
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Hallo Schlumpfinchen,
ich will das Thema nicht unnötig nochmal aufwühlen, aber wollte noch kurz kommentieren, was bisher geschrieben wurde. Ich habe lange als Tontechnikerin und Ingenieurin für Akustik gearbeitet, traue mir daher zu das zu tun

Ich bin außerdem auch extrem geräuschempfindlich, mein Problem ist auch, dass ich nicht in jeder Situation noise cancelling Kopfhörer tragen kann, da diese beispielsweise andere Geräuschwahrnehmung verstärken kann. Zum Beispiel Körperschall, also der Schall der nicht durch die Luft übertragen wird, sondern durch Berührung an den Kopfhörern (zB durch Kleidung) hervorgerufen kann.
Ich kann daher (auch wenn sie leider teuer sind) angepasste Ohrstöpsel vollumfänglich empfehlen. Diese haben einerseits den Vorteil, dass sie eben an den Gehörgang angepasst werden (es wird ein Abdruck gemacht) und daher auch bei langem tragen nicht unangenehm werden. Außerdem sind die verbauten Filter so entwickelt, dass sie störende Frequenzbereiche dämpfen, aber zB Unterhaltungen noch ermöglichen. Deshalb sind sie auch die beste Wahl für Konzerte, wo man nicht möchte, dass der Klang verfälscht wird, aber eben die Lautstärke dämpfen möchte. Die Filterstärke kann man auch auswählen, also zb wenn man den Gehörschutz nicht für den Club oder das Festival braucht, sondern eben für euren Fernsehabend.
Langfristig wäre das für deine 19jährige Tochter aber vielleicht auch ein relavanter Punkt, guter Gehörschutz für den Club ist definitiv eine gute Investition

Ich trage meinen Gehörschutz im Alltag, bei der Arbeit, auf Konzerten..
Wenn ihr trotzdem erstmal einen günstigeren Anbieter ausprobieren wollt, kann ich die Party Plugs und die Deep Sleep Plugs von Alpine empfehlen. Die sind weich und angenehm und blocken nicht zu doll ab, wie die klassischen Schaumstoff-Ohropax, außerdem kann man die reinigen und wieder benutzen.
Ich hoffe ihr findet eine Lösung, die gut für euch passt!