sich mit anderen vergleichen

  • Er sagt ja auch, dass sich mit anderen Vergleichen Depressionen fördert. Ich kann das nachvollziehen.

    Wenn ich da an ein anderes Autismusforum denke wo gefühlt 90% der Teilnehmer Job, Familie und kaum Probleme haben. Das zieht einen, bzw mich, dann schon mal runter.

    In einem anderen Thread kam das kurz auf und ich wollte schon die ganze Zeit einen eigenen Thread zu dem Thema machen. Jetzt wo ich das Video von Tom Harrendorf gesehen habe habe ich mich direkt wieder dran erinnert.


    Gerade wenn ich mich mit anderen Usern in anderen Autismusforen vergleiche sehe ich eigentlich immer nur wie scheiße ich bin. :/

    Andere haben eine eigene Familie, Job, können eigentlich tun was sie wollen. Festivals? Kein Problem. Urlaub? Klar doch. Umziehen? Ja sicher doch.. etc etc.

    Und ich bin der kleine Trottel der schon beim Einkaufen Schwierigkeiten hat und den zweimal die Woche das Haus verlassen überfordert.

    Klar ich könnte mich auch mit dem frühkindlichen niedrigfunktionalen autistischen Bekannten vergleichen. Da bin ich dann der Überflieger, aber aus irgendeinem Grund vergleiche ich mich immer "nach oben". Ein ungesundes Muster für die Psyche.


    Macht das hier noch jemand und, falls ja, was tut Ihr dagegen?

    Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe. Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.

  • Das ist eine spannende Frage und fasst vielleicht zwei Beiträge aus der jüngeren Zeit hier zusammen.


    Kurz "Drübergebügelt"... 42 (Duglas Adams)
    Aber so einfach ist es halt dann doch nicht.

    Ich bin selten nachtragend, ich kann mir nur vieles merken ;)

  • Ich besitze zwar ein Handtuch aber ich kann mit der 42 trotzdem nichts anfangen :rolling_on_the_floor_laughing:

    Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe. Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.

  • Ich besitze zwar ein Handtuch aber ich kann mit der 42 trotzdem nichts anfangen :rolling_on_the_floor_laughing:

    Naja, das mit dem Handtuch ist schon mal gut

    .

    .

    .

    Dennoch eine Frage/Thread, die ein paar Gedanken wert sind.

    Ich halte es zum Beispiel für unsinnig die frühere Diagnosen von "Autismus" und "Asperger Autismus" über einen "Kamm zu scheren".

    Aber ich habe mich mit diesem Kastendenken nicht wirklich auseinander gesetzt.

    Für Förder-/Vorde-rung scheint es jedoch der einzige Indikator.

    Ich bin selten nachtragend, ich kann mir nur vieles merken ;)

  • Ich selbst habe ja auch einen Job und bewältige meinen Alltag selbstständig ohne professionelle Unterstützung und habe in diesem Jahr sogar zum zweiten Mal in meinem Leben alleine Urlaub gemacht (3 Tage Brandenburg, Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln). Ich bin also auf jeden Fall am oberen Rand des Spektrums verortert. Mir ist sehr klar, das mindestens 90 % der Autisten schwerere Einschränkungen als ich haben und mindestens 50 % sehr viel schwerere. Wenn ich nun aber "nach oben", "aus dem Spektrum hinaus" gucke, dann sehe ich allerdings ebenso deutlich wo meine Einschränkungen liegen im Vergleich zu denen, die nicht im Spektrum sind.


    Ich versuche mich so wenig wie möglich mit anderen zu vergleichen. Jeder hat ein mehr oder weniger heterogenes Begabungs- und Einschränkungsprofil. Das, was ich (gut) kann versuche ich zu festigen und auszubauen. Bei den Einschränkungen gucke ich, ob es Strategien gibt, die anzuschwächen bzw. wie ich sie (auch durch Hilfe oder Vermeidung) kompensieren kann.


    Wie ein Trottel fühle ich mich zum Glück nur selten, weil ich weiß, dass mein Wert als Mensch nicht davon abhängt, wie viel ich erreichen kann. Wenn mir aber rückgemeldet wird, dass mein So-Sein, meine Art der Kommunikation, auf Ablehnung stößt, zu schwerwiegenden Missverständnissen führt, dann verletzt mich das schon und ich fühle mich dann auch manchmal wie ein Fail.


    Ich weiß auch, dass ich zum Beispiel nie eine Familie "schaffen" würde. Das würde mich fertig machen (davon abgesehen, dass ich dafür ja überhaupt mindestens eine andere Person bräuchte, die das will, die ich gar nicht habe.) Ich kann jetzt sagen, dass ich eine Familie nicht "managen" könnte, was auch korrekt ist (es würde mir massiv auf die (psychische) Gesundheit gehen), aber ich will auch gleichzeitig nicht mein Leben, so wie ich es führe (intensiv meinen Interessen und Routinen nachgehen) "opfern". Für mich fühlt sich keine Familie gegründet zu haben/zu gründen also nicht als Verlust an.


    Trotz all der Dinge, die ich kann, machen mir übrigens auch oft die "kleinen" Angelegenheiten Probleme. Das ist dann teilweise so eine Dekrepanz, die von außen wahrgenommen wird, die dann für Unverständnis sorgt. Oder das nicht gesehen wird, welche Leistungen ich kurzfristig aufbringe, um meine Kompensation aufrecht zu erhalten.


    Wenn man sich vergleicht, was man meines Erachtens eher sparsam tun sollte, dann denke ich, dass es a) sinnvoll ist, rauszuzoomen und zu erkennen, dass da noch andere Menschen in alle Richtungen sind, die alle in verschiedenen Bereichen mehr oder weniger Fähigkeiten und Einschränkungen haben und dass b) das alles noch mal individuell unterschiedlich ausgeprägt ist.


    Ich finde es schade, Ginome , wenn du dich als Trottel erlebst. Ich erlebe dich als Menschen, der auch seine individuellen Fähigkeiten hat!

  • Gerade wenn ich mich mit anderen Usern in anderen Autismusforen vergleiche sehe ich eigentlich immer nur wie scheiße ich bin. :/

    Andere haben eine eigene Familie, Job, können eigentlich tun was sie wollen. Festivals? Kein Problem. Urlaub? Klar doch. Umziehen? Ja sicher doch.. etc etc.

    Das ging mir zuletzt auch immer mehr so und deswegen bin ich da auch gar nicht mehr unterwegs. Das Problem ist ja, da kann sich jeder anmelden und behaupten, er sei Autist, aber ob das dann auch stimmt, steht auf einem anderen Stück Papier. Meiner Meinung nach haben da nicht grad wenig Leute ganz andere Probleme als Autismus.


    Und ich bin der kleine Trottel der schon beim Einkaufen Schwierigkeiten hat und den zweimal die Woche das Haus verlassen überfordert.

    Damit bist du nicht allein. Das geht mir auch nicht viel anders. Aber deswegen ist man noch lange kein "Trottel".


    Klar ich könnte mich auch mit dem frühkindlichen niedrigfunktionalen autistischen Bekannten vergleichen. Da bin ich dann der Überflieger, aber aus irgendeinem Grund vergleiche ich mich immer "nach oben". Ein ungesundes Muster für die Psyche.

    Dank Nicki vergleich ich mich jetzt öfter mal nach unten. Nicki's Cousin ist nämlich ein schwerbehinderter Kanner-Autist. Der lebt komplett in seiner eigenen Welt und ist allein gar nicht überlebensfähig. Gegen den bin ich echt noch verdammt gut dran.


    Ich versuche mich so wenig wie möglich mit anderen zu vergleichen. Jeder hat ein mehr oder weniger heterogenes Begabungs- und Einschränkungsprofil. Das, was ich (gut) kann versuche ich zu festigen und auszubauen. Bei den Einschränkungen gucke ich, ob es Strategien gibt, die anzuschwächen bzw. wie ich sie (auch durch Hilfe oder Vermeidung) kompensieren kann.

    Ja, so ist das meiner Meinung nach auch am Besten.


    Ich weiß auch, dass ich zum Beispiel nie eine Familie "schaffen" würde.

    Dachte ich auch mal. Aber in Form von Nicki, ihrer Mutti und ihrer Oma schaff ich's doch. Naja, Nicki ist aber ja auch selber Autistin und mit ihrer Mutti und Oma versteh ich mich echt sehr gut. Die haben mich quasi adoptiert. Kinder wären mir aber auch zuviel.


    Für mich fühlt sich keine Familie gegründet zu haben/zu gründen also nicht als Verlust an.

    Dann ist doch auch alles in Butter.

    Touch not the cat bot the glove

  • Das Problem ist ja, da kann sich jeder anmelden und behaupten, er sei Autist, aber ob das dann auch stimmt, steht auf einem anderen Stück Papier. Meiner Meinung nach haben da nicht grad wenig Leute ganz andere Probleme als Autismus.

    Das weiß ich eigentlich auch. Bei denen, die behaupten sie hätten eine Diagnose, glaube ich es aber immer erstmal. :/


    Ja, so ist das meiner Meinung nach auch am Besten.

    Und wie kann ich das hinkriegen? Einfach ändern kann ich das nämlich irgendwie nicht.

    Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe. Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.

  • Und wie kann ich das hinkriegen? Einfach ändern kann ich das nämlich irgendwie nicht.

    "Einfach" bestimmt nicht, aber vielleicht langsam und über einen längeren Zeitraum. Kognitive Umstrukturierung braucht eine gewisse Zeit.


    Wenn du merkst, dass du dich vergleichst, könntest du vielleicht eine bewussten Schritt auf die Meta-Ebene treten. Dich fragen, mit wem du dich in welcher Situation vergleichst und auch ob es zielführend ist; dir nützlich und dich weiterbringt. Vielleicht ein "metales Flowchart" konzipieren? Des Weiteren könntest du dich bewusst fragen, wie groß der Radius ist, den du um dich herum betrachtest und ihn bewusst in alle Richtungen erweitern. Vielleicht hilft es bestimmte Methoden/Strategien aufzuschreiben und sichtbar irgendwo stehen zu haben, um darauf dann auch tatsächlich zurückkommen zu können.

    Es kann außerdem hilfreich sein, bestimmte Gedanken die bin "Ich bin ... / habe ... etc" beginnen, dahingehend abzuändern, dass man sie durch "Ich habe den Gedanken, dass ich ... bin / habe." ersetzt. Also statt zu denken "Ich bin so ein Trottel, ich kann nicht mal alleine ohne Probleme einkaufen", "Ich habe den Gedanken, dass ich ein Trottel bin, weil ich nicht alleine ohne Probleme einkaufen kann". Dann kann man sich diesen Gedanken vornehmen und eruieren, ob er überhaupt seine Berechtigung hat. Man hat eine bessere Möglichkeit eine etwas differenziertere und distanzierte Perspektive zu entwickeln. Das ist alles nichts, was einfach so passiert, aber wenn man konsequent solche Strategien einsetzt, dann ändern sich auch die Gedanken im Laufe der Zeit.

  • Zitat

    Macht das hier noch jemand und, falls ja, was tut Ihr dagegen?

    Ja, ich mache das auch.

    Wenn ich mich mit diagnostizierten Autisten vergleiche, ist alles gut.


    Das schadet mir nicht. Egal, wie viel die können.


    Das macht mir dann Mut. Und ich werte mich nie ab. Das habe ich für mich herausgefunden.


    Was mir hingegen sehr schadet, ist, wenn ich mich mit Menschen vergleiche, die selber meinen Autisten zu sein, und dann letztendlich gar keine sind. Dann komme ich angehoppst und denke, o toll, was die schon gelernt haben, das passt für mich zu dem und dem Thema, da kann ich dann doch nochmal für mich probieren, mit dem Ergebnis, dass ich dann wieder so richtig auf die Schnauze falle ( RW ). So wie es mein ganzes trauriges Leben lang war, da ich spätdiagnostiziert bin und mich daher immer mit meinen nichtautistischen Mitmenschen verglich.

    Unter allerhöchster Anstrengung, nie zu genügen, nie mithalten zu können.


    Ich bin nur diagnostizierte Autistin. So ist mir gesagt worden. Ich habe keine Asperger Diagnose bekommen. Also sage ich, ich bin autistisch. Das es ein Spektrum ist, kann ich akzeptieren.


    Da es bei mir Autismus heißt, vergleiche ich mich auch mit Kanner. Natürlich schneide ich da gut ab, wenngleich ich mich mit Kanner am wohlsten fühle. Sauwohl genauer gesagt.


    Ich habe auch Arbeit, allerdings nur durch Vitamin B ( Umgangssprachlich für Beziehung ) und meine Familie hatte mich bei meinem ersten Arbeitsplatz untergebracht. Alleine hätte ich auch keine Arbeit. Das hätte ich alleine nicht geschafft, weil mir dieses ganze soziale Dingsda fehlt.


    Ich konnte heute auch kaum einkaufen. Und hätte beinahe meinen Wagen an der Kasse stehenlassen müssten. Zu laut zu voll zu eng, keine Luft. Das war ganz ganz knapp.


    Ich kann auch, kein Festival, kein Umzug mehr, keine Beziehung, gar keine Freunde, nicht in Urlaub fahren, keine Familienfeier, keine Firmenfeier, kein Sprachkurs, geht alles nicht. Aber ich kann mich schminken. Ich bin zufrieden.

  • Es scheint eine menschliche Eigenart zu sein, dass man sich mit anderen vergleicht, denn ich kenne eigentlich niemanden, der das nicht tut bzw. früher mal getan hat.

    Irgendetwas finder jeder, das an ihm oder ihr nicht so gut/toll/schön ist wie bei anderen, sei es Größe, Gewicht, Haar- oder Augenfarbe, Sportlichkeit, Essverhalten, Suchtpotential, Arbeit, Verdienst, Intellekt, Wissen, Gesundheit, Besitz - die Dinge gehen ins Unendliche....

    Diese Gedanken abzustellen, geht glaube ich nicht, aber man kann lernen, sie zu transferieren.

    In einer Therapie habe ich gelernt, dass jeder einzigartig ist und vergleiche mich seither nur mit mir selbst und meinen Fortschritten - das ist ermutigend und kraftspendend.

    Und wenn ich mich mal nicht so gut fühle, bin ich trotzdem wertvoll.

    Liebe Ginome, hier im Forum erlebe ich dich als einen äußerst geduldigen, intelligenten und humorvollen Menschen, der gerne mit Rat und Tat zur Seite steht.

    Wenn das nichts ist, was dann?

  • Und wie kann ich das hinkriegen? Einfach ändern kann ich das nämlich irgendwie nicht.

    Puh, einfach geht das wohl leider nicht. Mir hat's geholfen, mir immer wieder vor Augen zu halten, dass nicht jeder, der sich in einem Forum als Autist ausgibt, auch wirklich einer ist. Manchmal vergleicht man sich in Wirklichkeit mit traumatisierten, introvertierten oder sogar ganz normalen Menschen. Der Vergleich hinkt also im Grunde und dann ist es auch kein Wunder, wenn man sich unfähig fühlt.


    Man denkt sowieso immer schnell, dass man nichts kann und es nichts gibt, auf das man stolz sein kann, aber das stimmt in den seltensten Fällen. Wenn man mal genauer drüber nachdenkt (am besten, wenn man einen richtig guten Tag hat), dann fallen einem doch nach und nach etliche Dinge ein, die man gut kann und auf die man stolz sein kann. Und da muss man auch die vermeintlich "normalen" Dinge mitnehmen, wie z. B. in meinem Fall gutes botanisches und zoologisches Wissen. Für mich irgendwie was völlig normales, aber ich merk auch immer wieder, dass andere Menschen (egal ob nun NAs oder Autisten) dieses Wissen nicht haben. Das ist also nichts normales, sondern was Besonderes. Was Besonderes, in dem man anderen voraus ist.


    Was mir bezüglich "sich mit NAs vergleichen" gut geholfen hat, war ein Vergleich von einem User in einem anderen Forum: Er schrieb, dass man das Leben als eine Art Hürdenlauf sehen kann. Normale Menschen starten in Laufklamotten und Laufschuhen, aber gehandicapte Menschen starten mit langem Wintermantel, in Stöckelschuhen oder mit verbundenen Augen. Klar gewinnen dann meistens die NAs, aber wer leistet denn im Grunde mehr? Leisten die NAs wirklich mehr, nur weil sie gewinnen? Nein! Sie haben nur die besseren Vorraussetzungen und kommen dadurch viel leichter voran. Derjenige im langen Wintermantel muss sich doch viel mehr angestrengen, weil sein Mantel so schwer ist, sich dauernd in den Hürden verheddert und er deswegen immer wieder hinfällt. Der wahre Gewinner ist eigentlich der, der trotz langem Wintermantel weiterläuft, immer wieder aufsteht und nicht aufgibt. Und diesen Vergleich kann man im Grunde auch auf Autisten untereinander anwenden. Der eine muss nur mit Wintermantel loslaufen, der andere aber mit Wintermantel und Stöckelschuhen. Und manche, wie z. B. Nicki's Cousin, müssen mit langem Wintermantel, Stöckelschuhen und verbundenen Augen loslaufen.

    Touch not the cat bot the glove

  • Ich finde, das es auch einen großen Unterschied macht, ob man sich mit einer Person vergleicht, die man erlebt (also im Reallife) und mit aufgehübschten Personen, die nur auf meinem Computer erreichbar scheinen.

    Nach meiner Erfahrung sind die Grenzen aber fließend.


    Nachtrag:

    Und die Option, bei einem Vergleich zu bemerken, das man das besser hinbekommt ist ja auch vorhanden.

    Ich bin selten nachtragend, ich kann mir nur vieles merken ;)

    Einmal editiert, zuletzt von tinker ()

  • Mit anderen vergleichen liegt uns Menschen glaube ich im Blut.

    Wenn es danach geht gibt es ja immer ein höher und weiter.

    Und nicht alles was man bei anderen sieht ist echt.

    Vielleicht eher die Frage, was möchte ich?

    Was macht mich glücklich?

    Es geht ja um mein Leben.


    Zum Thema Familie und Arbeit.

    Auch ohne Diagnose bekomme ich nicht beides unter einen „Hut“.

    Das Haus mit allem drum und dran hat ein gewisses Potential an Arbeit und die Kinder haben auch ihre Bedürfnisse.

    Ah, und die tierischen Familienmitglieder sind ja auch noch da.

    Vollzeit arbeiten ist da einfach nicht drin.

    So gehe ich nur ein paar Stunden die Woche arbeiten.

    Ich stehe dazu und freue mich immer sehr, wenn ich mich in der Küche austoben kann und die Familie danach glücklich ist.

    Vielleicht darf ich später mein Hobby zum Beruf machen, wenn alles Flügge ist.

  • Haushalt und Kinder ist ja auch ein Beruf wenn die noch klein sind. Wird nur in der Gesellschaft nicht als Arbeit anerkannt. Was gegenüber den Ausübenden, meistens Frauen, ziemlich unfair ist. Das wirkt sich nämlich massiv negativ auf die Rente aus. :(


    Es kann außerdem hilfreich sein, bestimmte Gedanken die bin "Ich bin ... / habe ... etc" beginnen, dahingehend abzuändern, dass man sie durch "Ich habe den Gedanken, dass ich ... bin / habe." ersetzt. Also statt zu denken "Ich bin so ein Trottel, ich kann nicht mal alleine ohne Probleme einkaufen", "Ich habe den Gedanken, dass ich ein Trottel bin, weil ich nicht alleine ohne Probleme einkaufen kann". Dann kann man sich diesen Gedanken vornehmen und eruieren, ob er überhaupt seine Berechtigung hat. Man hat eine bessere Möglichkeit eine etwas differenziertere und distanzierte Perspektive zu entwickeln. Das ist alles nichts, was einfach so passiert, aber wenn man konsequent solche Strategien einsetzt, dann ändern sich auch die Gedanken im Laufe der Zeit.

    Das kenne ich aus der kognitiven Verhaltenstherapie. Mein Gehirn kann sich das leider trotzdem immer noch negativ hinbiegen und belegen. Das steht sogar in alten Arztbriefen drin. :fp:


    Ich bin nur diagnostizierte Autistin. So ist mir gesagt worden. Ich habe keine Asperger Diagnose bekommen. Also sage ich, ich bin autistisch. Das es ein Spektrum ist, kann ich akzeptieren.

    Da der einzige Unterschied der Zeitpunkt des Spracherwerbs ist passt das ja auch. Ich habe "Asperger" bekommen weil a. damals in Freiburg sowieso nur Asperger vergeben wurde bei Erwachsenen und b. mein Spracherwerb nicht verzögert war.

    Alle anderen Kriterien erfülle ich für frühkindlichen Autismus. Auch beim ADOS habe ich den entsprechenden Cutoff locker erreicht.

    Daher finde ich es gut, dass es jetzt ASS heißt :)


    Da es bei mir Autismus heißt, vergleiche ich mich auch mit Kanner. Natürlich schneide ich da gut ab, wenngleich ich mich mit Kanner am wohlsten fühle. Sauwohl genauer gesagt.

    Ich komme mit dem mir bekannten niedrigfunktionalen Autisten auch sehr gut klar. Es gibt aber auch hochfunktionale Kannerautisten. Die stehen dann wieder über mir.


    Ich habe auch Arbeit, allerdings nur durch Vitamin B ( Umgangssprachlich für Beziehung ) und meine Familie hatte mich bei meinem ersten Arbeitsplatz untergebracht. Alleine hätte ich auch keine Arbeit. Das hätte ich alleine nicht geschafft, weil mir dieses ganze soziale Dingsda fehlt.

    So ging es mir mit meiner Ausbildung auch. Ohne Vitamin B ging da nichts.


    Ich kann auch, kein Festival, kein Umzug mehr, keine Beziehung, gar keine Freunde, nicht in Urlaub fahren, keine Familienfeier, keine Firmenfeier, kein Sprachkurs, geht alles nicht. Aber ich kann mich schminken. Ich bin zufrieden.

    Ich kann (und will) mich nicht schminken. Das ist tatsächlich kein Verlust für mich und stört mich nicht :D


    Du könntest aber einen Sprachkurs machen. Ich lerne auch gerade Italienisch.

    https://play.google.com/store/search?q=duolingo&c=apps (falls Du ein Androidhandy hast)

    Das kostet sogar nichts. Nur das Herzensammeln nervt ein bißchen.


    Liebe Ginome, hier im Forum erlebe ich dich als einen äußerst geduldigen, intelligenten und humorvollen Menschen, der gerne mit Rat und Tat zur Seite steht.

    Wenn das nichts ist, was dann?

    Geduldig war ich irgendwie noch nie :rolling_on_the_floor_laughing: Und die Intelligenz nimmt leider altersbedingt ab. Ansonsten natürlich helfe ich gerne.

    Das ist für mich selbstverständlich. Ich weiß nicht ob das nicht "nichts" ist. :/


    Was mir bezüglich "sich mit NAs vergleichen" gut geholfen hat, war ein Vergleich von einem User in einem anderen Forum: Er schrieb, dass man das Leben als eine Art Hürdenlauf sehen kann. Normale Menschen starten in Laufklamotten und Laufschuhen, aber gehandicapte Menschen starten mit langem Wintermantel, in Stöckelschuhen oder mit verbundenen Augen. Klar gewinnen dann meistens die NAs, aber wer leistet denn im Grunde mehr? Leisten die NAs wirklich mehr, nur weil sie gewinnen? Nein! Sie haben nur die besseren Vorraussetzungen und kommen dadurch viel leichter voran. Derjenige im langen Wintermantel muss sich doch viel mehr angestrengen, weil sein Mantel so schwer ist, sich dauernd in den Hürden verheddert und er deswegen immer wieder hinfällt. Der wahre Gewinner ist eigentlich der, der trotz langem Wintermantel weiterläuft, immer wieder aufsteht und nicht aufgibt. Und diesen Vergleich kann man im Grunde auch auf Autisten untereinander anwenden. Der eine muss nur mit Wintermantel loslaufen, der andere aber mit Wintermantel und Stöckelschuhen. Und manche, wie z. B. Nicki's Cousin, müssen mit langem Wintermantel, Stöckelschuhen und verbundenen Augen loslaufen.

    Der Vergleich hat was. :grin:


    Ich finde, das es auch einen großen Unterschied macht, ob man sich mit einer Person vergleicht, die man erlebt (also im Reallife) und mit aufgehübschten Personen, die nur auf meinem Computer erreichbar scheinen.

    Nach meiner Erfahrung sind die Grenzen aber fließend.

    Ich weiß, dass im Internet viele Leute lügen. Ich selbst tue das aber nie. Daher fällt es mir unglaublich schwer das dauernd im Kopf zu haben. Klar bei politischen Bilder aus den entsprechenden Ecken muss ich mittlerweile nichtmal mehr recherchieren um zu wissen das es Fakenews und Propaganda ist. Aber User XY aus Forum bla.. erstmal gehe ich davon aus, dass es stimmt was er schreibt. Ich glaube allgemein erstmal alles. Damit kann man mich super verarschen (sorry für das Wort).

    Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe. Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.

    Einmal editiert, zuletzt von Ginome () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Ginome mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Vielleicht eher die Frage, was möchte ich?

    Was macht mich glücklich?

    Es geht ja um mein Leben.

    Ja, stimmt. Man sollte so, wie man lebt, glücklich, bzw. zufrieden sein. Das ist das Allerwichtigste. Da sollte einem auch völlig egal sein, was andere sagen oder wie die das finden.


    Ah, und die tierischen Familienmitglieder sind ja auch noch da.

    Hm, wenn ich mal genauer drüber nachdenk, sind Rocky, Nala und Bibi schon so ein bisschen wie unsere Kinder. Nur, dass die nie erwachsen werden. :/


    Vollzeit arbeiten ist da einfach nicht drin.

    So gehe ich nur ein paar Stunden die Woche arbeiten.

    Ja, aber die paar Stunden Arbeit kosten dir doch genauso viel Energie wie wenn andere Vollzeit arbeiten, oder nicht? Energiemässig leistet du also nicht weniger als jemand, der Vollzeit arbeitet.


    Vielleicht darf ich später mein Hobby zum Beruf machen, wenn alles Flügge ist.

    Das Hobby zum Beruf machen ist eine tolle Sache. Ich finde, es gibt nichts Schlimmeres, als einen Beruf auszuüben, der einen nicht erfüllt.


    So ging es mir mit meiner Ausbildung auch. Ohne Vitamin B ging da nichts.

    Das war bei mir auch so. Meinen Ausbildungsplatz hab ich auch nur über Vitamin B meines Dads gefunden. Und auch später ging's meistens nur über Vitamin B weiter.


    Ich kann (und will) mich nicht schminken.

    Öhm... ich hab mich mal für eine Faschingsparty in der Schule wie Gene Simmons (der Sänger von Kiss) verkleidet und auch so geschminkt. Ich fand das Gefühl von der Schminke auf der Haut einfach nur ekelig und hab's noch auf der Party wieder abgewaschen, weil mich das fast wahnsinnig gemacht hat. Hab mir auch mal in einem Anfall von Wahn die Fingernägel schwarz lackiert. Das Gefühl vom Nagellack auf den Nägeln war furchtbar. Ich versteh echt nicht, warum Frauen sich sowas freiwillig antun. :face_screaming_in_fear:


    Ansonsten natürlich helfe ich gerne.

    Das ist für mich selbstverständlich.

    Das ist heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich. Also ist das auch was Besonderes. :):thumbs_up:


    Ich glaube allgemein erstmal alles.

    Nachdem ich mehrfach verarscht wurde und auf Fakegeschichten reingefallen bin, bin ich allem gegenüber erstmal sehr skeptisch.

    Touch not the cat bot the glove

  • Ich fand das Gefühl von der Schminke auf der Haut einfach nur ekelig

    Genau das! Das, die Menschenmengen und der Lärm waren der Hauptgrund warum ich als Kind schon Karneval / Fasching gehasst habe.

    Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe. Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.

  • Ich glaube auch, dass das alle machen, sich mit anderen vergleichen. Also sowas, wie Alefa und Meditie auch geschrieben haben.


    Ich finde, unsere Gesellschaft vermittelt ein ganz merkwürdiges Bild, was den Wert eines Menschen ausmacht. Genau gesagt, finde ich, dass das eine Katastrophe ist. Es ist schwer, sich davon komplett frei zu machen. Weil es ständig überall mitschwingt, mal mehr, mal weniger.


    Bei mir hat sich das immer mehr verändert. Mittlerweile richtet sich für mich der Wert eines Menschen fast nur noch danach, wie die Person mit anderen Menschen umgeht.


    Also, Ginome: Du hilfst hier scheinbar anderen im Forum. Damit kletterst du bei mir schonmal ganz nach oben. :thumbs_up: So einfach ist das für mich mittlerweile. Das ist praktisch, ich brauche nicht mehr viel nachdenken über Beruf, Familie, Führerschein ja oder nein, einkaufen schwierig oder einfach, Urlaub auf'm Balkon oder 300 km entfernt... :D

  • Ich habe tatsächlich keine Probleme mich mit anderen Menschen zu Vergleichen die Einschränkungen haben und besser zurecht kommen als ich.

    Ich habe eher das Problem dass ich mich mit gänzlich "gesunden" Menschen vergleiche und mir denke "warum kann ich nicht auch so sein"

    Also ich bemesse meine Leistung oft an Gesunden Menschen, oder vergleiche mich nach unten..

    Also anderen geht es schlechter als mir deshalb soll ich nicht Meckern oder nach Hilfe suchen...

    Dank Lese-Rechtschreib-Schwäche könnte ich Fehler übersehen. Ich gebe mir Mühe diese zu verbessern. Danke für euer Verständnis <3  

  • Kayt spricht mir aus der Seele. Ich habe immer noch Probleme, mir zuzugestehen, daß meine Schwierigkeiten von der ASS kommen; in meinem Kopf stelle ich mich einfach nur doof und dämlich an, ich fühle mich definitiv nicht wirklich eingeschränkt.


    Dabei habe ich oft mit den kleinen, für alle sehr einfachen Dinge meine Probleme, während mir manches sehr leicht fällt, was andere als schwierig ansehen. Und die Reizfilterschwäche kann ich auch immer schlechter kompensieren.


    Meine Therapeutin sagt mir immer wieder, daß ich mir vielem nicht bewußt bin und daß ich es deswegen nicht "sehe" was nict "normal" ist. Ich hätte mir meine "Blase" eingerichtet, in der ich (unbewußt) viel Hilfestellung erhalte und mir vieles abgenommen wird, wenn ich diese aber verlasse, dann wird es schwierig für mich.


    Mit dem jetzigen Hintergrundwissen bewerte ich mittlerweile einiges anders und hoffe darauf, das ganze auch für mich annehmen zu können. Langsam aber sicher geht mir die Energie und Kraft aus. Ich war schon immer eine Kämpfernatur und bin stets am Suchen nach Lösungsmöglichkeiten und am Vereinfachen von Abläufen.

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